Bundesrätliche Blessuren September 2006

Was für ein bundesrätliches Wochenende!
Montagmorgen, in der Früh: Die BundesrätInnen schlichen durch den Hintereingang ins Bundeshaus. Sie wollten ihren KollegInnen ihre Blessuren nicht gleich vorführen und hofften, dass diese bis zur Bundesratssitzung vom Mittwoch verheilt waren. Doris Leuthardt trug einen dicken Verband schräg über den Kopf. Hätte sie gewusst, dass sie in eine schlagende Gesellschaft aufgenommen würde, hätte sie die Einladung des Studentenverbandes dankend abgelehnt. Doch als dieser nette Student sie nach ihrer Rede so bleckend angrinste und nach dem Säbel griff, war es schon zu spät und sie hatte ihren Schmiss bekommen. Immerhin – vielleicht konnte sie mit ihrer Narbe noch einen Part an der Seite von Johnny Depp einnehmen? Samuel Schmid hatte nach der Forderung seiner Partei, Micheline Calmy-Rey das Aussenministerium zu entziehen, in einer Panikattacke den ganzen Sonntag seinen „Yes. Einsteiger Englisch für Reisen“ gebüffelt und war total durch, nachdem er schon zwei Wochen zuvor sich auf die Ablösung von Moritz Leuenberger mit einem Wochenendkurs „Reden schreiben, leicht gemacht“ vorbereitet hatte. Ebendieser hatte nach seinem Auftritt und seiner feinen Rede beim Hornussenfest eine saftige Nuoss an den Kopf gekriegt und lallte nachher nur noch Lilke und Holaz. Christoph Blocher war noch ganz schwindlig von den Leviten, die ihm seine Schwester gelesen hatte, Calmy-Rey musste sich zu Hause vorhalten lassen, dass der Sicherheitsratssitz Genf gehöre und nicht der Schweiz und Hans-Rudolf Merz hatte sich eine gefangen, als er über die Kosa-Initiative und die Cosa nostra sinnierte. Und Pascal Couchepins Kopf war voller Blutergüssen – er hatte sich wieder einmal den Kopf eingeschlagen, weil von ihm nichts in der Sonntagspresse stand. Sie alle nahmen sich vor, das nächste Wochenende sanfter zu gestalten und am Freitag die Bar jeder Vernunft im Ambrosia zu besuchen

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