Calancatal – Wie wirds weitergehen?

Nun, die Ferien im Calancatal waren sehr schön, auch wenn die Woche mich lehrte, dass es auch auf der Alpensüdseite tagelang schlechtes Wetter sein kann…
Einkaufen ist etwas Glückssache, respektive eben eine Planungsfrage, es sind noch zwei Läden im ganzen Tal übrig geblieben, doch die Fortbewegung funktioniert bei ebenfalls guter Planung recht gut: Es gibt etwa alle zwei Stunden ein Postautokurs, man kommt also ganz gut vorwärts. Allerdings waren wir oft die einzigen Gäste…Trotzdem: Nach meinem Besuch im Calancatal finde ich die Idee der Avenir Suisse, gewisse Alpentäler aufzugeben, nicht mehr überlegenswert. Sie geht von einer zu engen wirtschaftlichen Sichtweise aus.
– Die Infrastrukturkosten mögen zum Teil recht hoch sein, doch etwa im Vergleich zu den Verkehrskosten in der ganzen Schweiz machen sie nur einen kleinen Bruchteil aus. Die Schweiz ist ein reiches Land und es geht uns gut. Vielleicht gerade deshalb, weil wir gewisse Ausgleichsmechanismen auch zwischen den Regionen geschaffen haben, die Unterschiede nivellieren und Spannungen abbauen helfen.
– Wird beim öffentlichen Verkehr gespart, kommen zusätzlich jene unter die Räder, die sich ökologisch verhalten, in der Nähe Ferien machen und nicht das Auto benützen. Zu fragen wäre, ob sich nicht ein Rufbus-System lohnen würde, vielleicht wäre dieses sogar effizienter. Allerdings wird das Postauto auch als Schulbus zur einzigen Schule im Tal benutzt. Trotzdem…
– Gewisse Strukturanpassungen sind schon längst gelaufen. Ich hatte den Eindruck, dass die Landwirtschaft moderner ist als im Kanton Luzern. Überlebt haben – so siehts mindestens aus – einige grössere Landwirtschaftsbetriebe, das Bild vom Bauern mit ein paar Geisslein ist mir nirgends begegnet. Wird auch diesen Bauernbetrieben der Hahn zugedreht, ist dem Landschaftsschutz sicher nicht gedient – auch nicht den verbliebenen Touris: Nur durch Wälder wandern, ist nicht das, was man sich wünscht.
– Etwas fraglich erscheint einem als Unterländer, dass sich die 800 (?) CalancerInnen noch nicht zu einer einzigen oder wenigstens zu zwei Gemeinden zusammenfinden konnten. Man fragt sich, wie die heute komplexen Aufgaben einer Gemeinde von Gemeinschaften mit zum Teil unter 100 EinwohnerInnen bewältigt werden können. Zur Überwindung von jahrhundertelanger Eigenständigkeit bräuchte es vielleicht etwas mehr Druck von aussen. Die Dimensionen sind ja noch etwas anders als hier im Kanton Luzern, wo wir Grünen uns gegen Zwangsfusionen wehrten. Aber irgendwie erscheint einem die Frage im Calancatal auch bedeutend zugespitzter zu sein.
Kurzum, ich hoffe, dass ich auch noch in zehn Jahren im Calancatal Ferien machen kann, dass das Postauto weiter fährt und vielleicht sogar das eine oder andere Dorf wieder einen Laden erhält.

Einfach weg!

Kaum hat einmal ein Beitrag sagenhafte zwei Kommentare erhalten (siehe unten), fahre ich weg. Keine Flucht, nein, einfach Ferien. Ich kann also bis am 30. September hier nichts mehr schreiben und auch keine Kommentare von Euch freischalten. Schreiben ist natürlich trotzdem erlaubt…ihr müsst Euch einfach etwas gedulden, bis die Kommentare sichtbar werden. Gute Zeit! Da ich ins Calancatal fahre, kann der nächste Beitrag ja von der Frage handeln, ob die strukturschwachen Bergtäler nicht am gescheitesten ganz aufgegeben würden, wie es die Economiesuisse mal vorgeschlagen hat. Nicht einfach nur abwegig. Soviel zum Voraus.

Die Werbung zeigts: Frauen und Schwule kaufen keine Bäder!

Übrigens, es gibt nicht nur Wahlsachen im Briefkasten (siehe unten) sondern heute kam ein Prospekt des „Keramiklandes“ mit dem sinnlichen Titel „Philosophie des Wohlbefindens“. Verkauft werden unter diesem doch nachdenklich stimmenden Titel Badeinrichtungen. Scheinbar werden diese weiterhin nur von Männern gekauft – von heterosexuellen Männern. Sind doch in diesem Prospekt sieben Bilder mit halbnackten Frauen zu finden. Männer hats nur auf einem und dann noch unter dem Titel „Farbtherapie“ (haben wir sowas wirklich nötig?). Ich meine, das war schon in meiner frühen Pubertät ein Thema: Weshalb ist der Unterwäsche-Teil von Modekatalogen für Frauen immer viel länger als jener für Männer? Drum, wenn ich Nationalrat würde, wäre eine meiner ersten Forderungen mehr Gleichberechtigung im Bereich der halbnackten Werbung.

Sind wir alle doch ein bisschen käuflich?

Endlich – der Briefkasten ist nach einer langen Flaute wieder etwas voller. Fast täglich trudelt momentan Post ein von Verbänden, Organisationen und Vereinen, welche uns NationalratskandidatInnen befragen oder beurteilen wollen. Gestern war nun der Luzerner Kantonalschützenverein an der Reihe. Man erhielt einen Fragebogen – ich fülle ihn vorsorglich gar nicht aus, man stelle sich die Schlagzeile vor: „Michael Töngi vom Schützenverein unterstützt.“… – und im Brief wurde weiter erklärt: „Wir werden uns erlauben den Kandidatinnen und Kandidaten die unsere Unterstützung beanspruchen, einen Kostenanteil für Druck- und Versand von SFr. 500.- in Rechnung zu stellen.“ Gesinnung alleine genügt heute also nicht mehr – das ahnten wir doch schon ganz verschwommen, es braucht Cash, um unterstützt zu werden. Damit betätigen sich die Verbände selber in einem üblen Spiel: Politik wird von jenen gemacht, die es sich leisten können. Das sollte eigentlich grad nicht die Linie von Verbänden sein, die doch selber von Gratisarbeit leben.
PS. Die Unart, für Unterstützung Geld zu verlangen, betrifft nicht nur den Schützenverein, wenn ich mich richtig erinnere, macht die Neue europäische Bewegung Schweiz dasselbe.

CVP: Mittelmass in Matemadik?

Sensationell: Die CVP holt zum fulminanten Spurt auf und gewinnt nach einer Wahlprognose volle 0.6 Prozent gegenüber von vier Jahren. Sie landet jetzt bei fantastischen 15 Prozent und glaubt schon, dass sie jetzt voll Rohr einen zweiten Bundesratssitz fordern kann. Nur weil sie die FDP um irgendwie 0.1167 Prozent überholt – oder sowas ähnlichem. Mathematik scheint dabei nicht gerade die Stärke der CVP zu sein. Gemäss Umfragen erhalten die Grünen über 10 Prozent der Stimmen. Geht es nach rechnerischen Grundsätzen, so ist klar, dass bei dieser Konstellation ein Sitz an die Grünen gehen muss. Die CVP muss sich schon noch etwas stärker sputen, um eine Berechtigung für einen zweiten Sitz reklamieren zu können.

Ich bin gespannt

Am letzten Samstag verkündete die kantonale FDP in einem Zeitungsinserat, dass Neubauten und umfassende Sanierungen neu einen Energiewert “ähnlich dem von Minergie” erreichen müssten. Gut so! Die Grünen werden die FDP bei der Behandlung ihrer kantonalen Klimainitiative beim Wort nehmen, denn insbesondere bei Sanierungen ist dieses Ziel richtig, aber nach wie vor ambitiös. Was werden die Hüslibesitzer innerhalb der FDP sagen?
Noch vor kurzem wollte die gleiche Partei nicht einmal etwas davon wissen, dass bei öffentlichen Bauten diese Standards gelten sollen, verschiedene Vorstösse der Grünen wurden in Luzerner Parlamenten abgelehnt. Wenn das mit dem Gesinnungswandel so weiter geht, wird sich bald wirklich etwas in der Klimapolitik wandeln – und die Grünen grün überholt? Ich bin gespannt.

Roschachers Test

Früher gabs doch diesen Rorschacher Test. Irgendwelche Tintenklekse mussten interpretiert werden, man sah darin Ungeheuer oder himmlische Engel und wenn man möglichst viel Beklemmendes drin entdeckte musste man zur Belohnung nicht ins Militär. Mehr weiss ich nicht mehr von diesem Ding. Mit den neuesten Erkenntnissen (?) zur Entlassung des Bundesanwaltes Roschacher verhält es sich ähnlich: Jeder liest etwas total anderes, Geheimplan? Stümperhafte Rachegedanken eines gefallenen Bankiers? Naive Nationalratskommission? Fallenstellende SVP? Man nimmt es eher etwas amüsiert zur Kenntnis, unsereiner kann sich ja zurücklehnen und mal beobachten, was noch geschehen wird. Staatsaffäre? Sturm im Wasserglas?
Klar bei der ganzen Sache ist aber: Bundesrat Blocher hat es in seinem Streit mit Roschacher mit der Gewaltenteilung nicht so ernst genommen, er hat Weisungen gegeben, die ihn nichts angingen und er hat Regeln nicht eingehalten. Das ist in diesem konkreten Fall wie auch in anderen schon seit längerem bekannt. Und das genügt auch. Für eine Abwahl.

Nieder mit den Elektroheizungen!

Heute flatterte mir eine Werbung ins Haus für eine „Infrarot-Heizung“. Noch nie gehört, noch nie gesehen. Das Ding sei ganz revolutionär und habe eine positive Energie-Bilanz. Es klang ganz toll, nur fragte ich mich ständig, womit wird denn das Ding geheizt? Das wurde merwürdigerweise irgendwie nur indirekt geschrieben, so mit Formulierung wie „andere Elektroheizungen verbauchen ein Mehrfaches an Strom“, „an jede Steckdose anschliessbar“. Die Autoren der Werbung müssen gemerkt haben, dass Elektroheizungen eigentlich nicht mehr en vogue sind.
Und: Da wird eine Elektroheizung als Energiesparmassnahme bezeichnet, die CO2-Neutralität muss auch noch herhalten usw. So gehts doch nicht, Strom ist ein edles Gut und wir brauchen es für vieles, ich denke da nur schon an all die Geräte im Haushalt. Tatsächlich finde ich es praktisch, dass ich den Radio oder Backofen nicht mit Pellets anheizen oder betreiben muss, da bin ich froh um den Strom. Auch dass die Eisenbahn heute elektrifiziert ist, finde ich durchaus ok. Aber zum Heizen – sicher kein Strom. Wenn wir noch mit Strom heizen, dann machen wir das bald mit polnischem Strom aus Kohlekraftwerken und dann ist es mir schleierhaft, was daran aus klimapolitischer Sicht noch gut sein soll.
Ich hoffe, dass in den von Bundesrat Moritz Leuenberger heute vorgeschlagenen 26 Massnahmen zur Klimapolitik auch ein Verbot von Elektroheizungen drin ist.