Skandalumwittert?

Einige haben die Geschichte mitbekommen, auch wenn sie in der Westschweiz mehr Öffentlichkeit hatte: Kürzlich wurde die Geschichte (wieder?) aufgerollt eines Priesters, der 2001 wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt wurede. Ihm wurde vorgeworfen, zu Beginn der achtziger Jahre einen Minderjährigen sexuell missbraucht zu haben. Das Verfahren wurde wegen Verjährung eingestellt. Vor zwei Jahren wurde der Freiburger Priester an eine Kirchgemeinde im Kanton Neuenburg berufen. Der Priester hat sich am Wochenende das Leben genommen. Er begründete diesen Entscheid mit der Medienhetze. Ob es letztlich dieser Druck war oder nicht eher der Druck, sich einem so lange gehüteten Lebensgeheimnis zu stellen, sei dahingestellt und wird Interpretationssache bleiben. Keine Interpretation braucht es, um festzustellen, dass Kindsmissbrauch viel zu lange tabuisiert wurde, dass die katholische Kirche mit ihren Strukturen dieses Verwischen und Verschweigen noch förderte. Ebenso braucht es aber keine Interpretation, dass der Titel in der NZZ-Internetausgabe ebenso geschmackslos wie entlarvend ist, der da lautete: „Skandalumwitterter Priester nach Selbsttötung beigesetzt“. Was an diesem Priester, der seine Schuld eingestanden hat, skandalumwittert sein soll, wird im Artikel mit keinem Wort erklärt.

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