Wie Geschichten gemacht werden

Die Aussagen zweier Mitarbeiterinnen im Sozialdepartement in der Stadt Zürich haben massgeblich dazu mitgetragen, dass Monika Stocker zurückgetreten ist. Sie hatten behauptet, dass in ihrer Fallkontrolle 80 Prozent der Dossiers mangelhaft geführt würden und in 30 Prozent der Fälle die Sozialhilfe sofort eingestellt werden könnte. Das klang nach viel, es waren sehr harte Vorwürfe und sie haben der Stimmung Vorschub geleistet, dass im Sozialbereich Geld verschwendet wird.

Die externe Nachkontrolle mehrerer hundert Fälle, hat nun  gezeigt, dass nur wenige Fehler unterlaufen sind: Letztlich sind bei den untersuchten 473 Dossiers, auf die sich die beiden Frauen in ihren Vorwürfen stützten, nur gerade bei zweien finanzielle Fehler passiert, bei weiteren zehn Fällen wurde bereits eigenständig durch das Sozialdepartement Geld zurückgefordert. Das ist ein verschwindend kleiner Teil im Vergleich zur Arbeit, die durch das Zürcher Sozialdepartement erledigt wird.

Verräterisch der Kommentar nun vom Tages-Anzeiger: Er schreibt zwar auch, der Berg habe ein Mäuschen geboren und die Vorwürfe hätten sich in Luft aufgelöst, doch seien die eingeleiteten Massnahmen unbedingt nötig. Damit lenkt er davon ab, dass er bei der Medienkampagne gegen Monika Stocker massgeblich mitgemacht hat und der Tagi hatte noch vor kürzerer Zeit den beiden Frauen in einem grossen Interview Platz gegeben, all ihre Vorwürfe auszubreiten – journalistisch nicht eingebettet. Vielleicht täte auch eine grosse Zeitung gut daran, nach einer derartig heftigen Kampagne etwas in sich zu gehen und vielleicht auch mal ein sorry auszusprechen.

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