Lieber den Bus in der Nähe als die Hochbahn auf dem Dach.

Kriens soll eine Hochbahn erhalten. Gemäss einer Studie sei sie machbar. Die Idee hat aber mehrere Haken:
– Die Hochbahn kostet nach ersten Schätzungen 125 Millionen Franken. Momentan streitet man sich in Kriens gewiss um kleinere Summen und es ist weit und breit niemand da, der uns das finanzieren würde. Glaubt irgendjemand, dieses Geld könne aufgetrieben werden?
– Eine Bahn auf Stelzen durch die ganze Gemeinde ist ein massiver Eingriff und städtebaulich kaum zu ertragen. Gewisse Abschnitte in Kriens mögen bereits genügend verunstaltet sein, dass es nicht mehr so drauf ankäme…aber durch die Pilatusstrasse? Und wo kommt diese Hochbahn wieder auf den Boden runter? Oder will man auf dem Bahnhofplatz ein Terminal auf Stelzen?
– Ein- und Aussteigen ist bei einer Hochbahn generell nicht attraktiv.
– Gemäss Zeitungsartikel von heute spricht für die Hochbahn, dass das Stauproblem gelöst wäre. Will man überhaupt die Busse von der Strasse nehmen und so letztlich dem Autoverkehr wieder mehr Platz geben?
Gemäss dieser Studie schliesst der Ausbau des bestehenden Busnetzes am besten ab. Kein Wunder: Mit ein paar Millionen Investitionen könnte der Bus weiter bevorzugt werden, mit einer guten Portion politischem Willen könnte gepförtnert und er Autoverkehr zurückgehalten werden, damit die Busse vorwärts kommen.
Wer den öV fördern will, so hier den Hebel ansetzen.

Etwas gar viel Beschleunigung beim Kantonsstrassenbau

Der Regierungsrat hat heute mitgeteilt, welche Strassenbauten zusätzlich im Jahr 2010 verwirklicht werden sollen. Hintergrund ist, dass der Kantonsrat in der Budgetdebatte zusätzliche rund 8 Millionen Franken für den Strassenbau gesprochen hat. Ein Projekt ist der Ausbau der Götzentalstrasse für die Umfahrung von Dierikon. Das Geschäft ist noch nicht einmal vom Kantonsrat behandelt worden, doch schon steht seine beschleunigte Realisierung fest.
Das Projekt wird zudem noch einiges zu diskutieren geben. Dass der Verkehr vom Rontalzubringer Richtung Adligenswil/Udligenswil nicht direkt durch Dierikon geführt werden soll, ist sicher richtig. Ob das Strassenprojekt in seinen Dimensionen aber die richtige Antwort ist? Die Grünen sind da sehr skeptisch.

Imam Pierre Vogel: Und was folgt der Empörung?

Imam Pierre Vogel hatte einen Auftritt in Kriens. Ob der Mann gefährlich ist, kann ich nicht beurteilen, die Hinweise im Internet sind spärlich. Sein theologisches und gesellschaftliche Gedankengut ist mir fern, einiges, das stört, kenne ich auch von der vatikanischen Kirche.
Man hat jetzt in den Zeitungen wieder ein Thema gefunden, das titelseitenwürdig sein soll. Neben dem Schrecken oder der Empörung bleibt dann nicht viel übrig und die Themen, die durchaus diskutabel wären, verpuffen irgendwo zwischen Terrorangst und exotischer Anziehungskraft.
Ich meine, wir müssten endlich ernsthafter diskutieren: Wie können Muslime in der Schweiz ihren Glauben leben und wo ist dieser mit Wertvorstellungen, die die Gesellschaft aushandelt, nicht vereinbar. Um diese Themen aber diskutieren zu können, müsste eine gewisse Institutionalisierung her. Also zum Beispiel die Anerkennung der Muslime als Landeskirche oder das Angebot, dass Imame von staatlicher Stelle aus ausgebildet werden. Überlässt man diese Ausbildung arabischen Staaten, werden die Vertreter einer Religion, die hunderttausende Gläubige in der Schweiz zählt, quasi importiert, so muss man sich nicht verwundern, wenn auch andere Wertvorstellungen hier vertreten werden.
Aber zu diesem Schritt sind viele nicht bereit. Schade, es ist diese typische Haltung in der Integrationspolitik, dass die MigrantInnen liefern sollen, sich anpassen sollen, die Hiesigen ihrerseits schampar wenig anbieten.
Typisch dafür ist zum Beispiel die Haltung von evangelikalen Kreisen: Da wird von einer öffentlich-rechtlichen Anerkennung abgeraten, auch die Ausbildung von Imame wird abgelehnt für eine Religionsgemeinschaft, „welche zu 90% aus Mitgliedern besteht, die in der Schweiz Gaststatus haben.“ Diese realitätsfremde Formulierung zeugt vom Wunsch, dass sie also auch wieder gehen werden. Mit dieser Haltung ist natürlich das Thema Integration schwer anzugehen.

Umzonung im Schlund: Willfähriger Entscheid des Einwohnerrates

Der Krienser Einwohnerrat hat einer Umzonung zu Gunsten der im Schlund angesiedelten Firma Küchler Ankertechnik zugestimmt. Damit kann der Betrieb weiter vergrössert werden. Ich gönne dem Betrieb von Herzen, dass er wachsen kann und prosperiert.
Nur: Der Betrieb ist heute über eine Strasse erschlossen, die teilweise nur drei Meter breit ist. Auf einem Abschnitt hat es links und rechts der Strasse einen Zaun und es fahren Lastwagen auf dieser Strasse. Wir benützen sie ebenfalls. Selbst das Kreuzen von einem Velo und einem Lastwagen ist kaum möglich, geschweige denn andere Kombinationen. Deshalb haben wir auch eine Einsprache gemacht. Es wurde uns relativ vage auf Ende 2011 ein Fussweg in Aussicht gestellt.
Ich verstehe nicht
a) weshalb ein prosperierendes Gewerbe auf einem Stück Land angesiedelt wird, wo praktisch kein Wachstum möglich ist. Die Firma ist erst seit wenigen Jahren (vielleicht fünf) im Schlund ansässig und jetzt wird bereits eine Umzonung nötig.
b) wie man überhaupt an diesem Standort die Firma wachsen lassen kann. Rundherum ist Landwirtschaftsgebiet und Wald. Man will sogar Wald roden, damit der Betrieb wachsen kann – was nur schwer mit dem Waldgesetz in Einklang zu bringen ist. Dort steht nämlich: „das Werk, für das gerodet werden soll, muss auf den vorgesehenen Standort angewiesen sein.“ Und das kann man wohl nur schwer behaupten.
c) weshalb man eine drei Meter breite Strasse gleichzeitig als Veloweg ausschildern und als Lastwagenzufahrt benutzen kann.
d) und am wenigsten verstehe ich, wie der Einwohnerrat die Einzonung folgendermassen begründen kann: „Bei seiner Beurteilung liess sich das Krienser Parlament leiten durch verkehrspolitische, raumplanerische und landschaftsschützerische Argumente. Ein wichtiger Faktor aber war immer auch die aktuelle Wirtschaftslage, in der Bauprojekte wichtige Impulse setzen könnten.“ Die ersten drei Argumente sprechen doch alle klar gegen diese Einzonung.
Man kann das nur als willfährig bezeichnen. Wenn ein Gewerbebetrieb ausbauen will, so zählt eben weder die Raumplanung, noch die Verkehrspolitik und auch der Landschaftsschutz sehr, sehr wenig. Man kann nur hoffen, dass übergeordnete Instanzen genauer hinschauen werden.

Die Sachen beim Namen nennen.

Die SVP fordert wieder einmal mehr den Rücktritt von Georg Kreis als Präsident der Antirassismuskomission. Dieses Mal, weil er in einer Sendung zur Minarettabstimmung die Sachen beim Namen benannte. Man kann das nachlesen. Kern des Protests der SVP ist folgender Punkt: «ganz zu schweigen von der Unterstellung, es handle sich bei der SVP und deren Wählern sowie den Befürwortern der Minarettinitiative um eine Masse an potenziell fremdenfeindlich bzw. rassistisch votierenden Bürgerinnen und Bürgern.»
Weshalb sollte die Minarettinitiative nicht als rassistisch bezeichnet werden? Weil die Stimmungsmache gegen eine Religion und nicht um eine Ethnie ging? Weil die Minarette für Muslime nicht lebensnotwendig sind? Weil man nur einen Teil von ihnen meinte?
Aber natürlich hat die Minarettinitiative eine bestimmte Bevölkerungsgruppe im Visier, eine eingewanderte Bevölkerungsgruppe und dies pauschalisierend und hetzerisch. Das Verbot für eine Religionsgruppe, ein religiöses Symbol nicht zeigen zu dürfen, ist doch nicht nur „potenziell“ fremdenfeindlich, sondern es ist es. Insbesondere wenn es sich dabei um ein ziemlich banales Symbol handelt. Und die SVP benutzt schon seit Jahren fremdenfeindliche Argumenten. Nur weil das Volk die Initiative angenommen hat, werden diese Argumente nicht plötzlich weniger fremdenfeindlich. Das Volk mag immer recht haben, aber es hat nicht immer lautere und schönduftende Gründe für seine Entscheide.

Hallo Vladimir: Ich nehme alles zurück

Die UPS war doch tatsächlich auf dem Weg in den Unter-Strick um mein Päckli abzuliefern. Mein Mitbewohner konnte es in Empfang nehmen und ich erhalte es also fristgerecht. Tut mir leid, liebe Schweizerische Post, aber in Sachen Alleinstellungsmerkmal bei der Hauszulieferung, sieht es jetzt noch schlechter aus.

Das Thema waren die Schuldispensen

Wichtiger als untenstehende Gedankenübung war aber im Bericht über die Evangelikalen heute morgen im Radio, dass sie ihre Kinder häufiger von der Schule dispensieren lassen als Eltern einer islamischen Glaubensrichtung. Wenn diese aber ihr Kind vom Schwimmunterricht dispensieren lassen wollen – als Beispiel – so wird dies zum öffentlichen Thema und zum Beispiel für deren Nicht-Integration. Auch streng katholische Eltern lassen ihre Kinder von Fächern dispensieren, wenn ihnen der Religionsunterricht nicht passt oder sie Probleme damit haben, dass in der Biologie die Evolutionstheorie durchgenommen wird. Und natürlich besuchten die Kinder keine Schulstunden, die was mit Aufklärung zu tun hatte – so erinnere ich mich wenigstens an meine eigene Schulzeit. Das wurde bisweilen belächelt, von anderen Eltern durchaus wahrgenommen und auch mal kritisiert und es wird das eine oder andere Gespräch zwischen LehrerInnen und Eltern stattgefunden haben. Aber es stiess nie auf diese vehemente Ablehnung wie es heute bei islamischen Eltern der Fall ist und man sah auch nicht gleich die öffentliche Ordnung oder das Schulleben gefährdet.

Zwangshomosexualität bei den Evangelikalen?

Heute im Radio gehört: Evangelikale Eltern lassen ihre Kinder und Jugendliche immer häufiger von Klassenlagern dispensieren. Grund: Sie könnten dort in Kontakt mit dem andern Geschlecht kommen.
Und dabei gedacht: Dann bleibt den Jugendlichen nur der Kontakt zum eigenen Geschlecht…

Hier Vladimir, was kann ich für Sie tun?

Einmal zwischendurch ein Hochlied auf die Post, sie musste auf dieser Seite etwas gar viel leiden…Vor einigen Tagen erhielt ich die Meldung, dass eine bestellte DELL Laptop-Batterie nächstens ausgeliefert werde – von einer Firma namens UPS. Mir schwante etwas. Wie soll mir eine Privatfirma etwas liefern? Wie sollte eine Privatfirma wissen, wo ein Briefkasten steht, der Hunderte Meter vom Haus entfernt ist?
Selbstverständlich kann man sich bei der UPS nicht melden, die übliche Formel, man solle auf das Email nicht antworten. So versuchte ich’s bei DELL, kam zuerst eine geschlagene Viertelstunde in die Warteschlaufe (ich hatte das Gefühl, ich hätte sämtliche Hits der 80er Jahre in dieser Zeit abgespielt bekommen), worauf sich ein Herr mit östlichem Akzent meldete „Mein Name ist Vladimir, was kann ich für Sie tun?“ Das Callcenter muss sich irgendwo in der Ukraine oder Polen befinden. Tun konnte er nix, die Batterie war nicht mehr an einen Ort umleitbar und ich fands irgendwie schwierig, den genauen Weg in den Zentralschweizer Voralpen zu erklären. Als er ungläubig hörte, dass nicht nur mein Zuhause keine Strassennummer hatte, sondern auch mein Briefkastenstandort, murmelte er nur noch: Oje, oje.
Jetzt bin ich gespannt, wie diese Batterie zu mir kommen wird. Und sage nur, noch ärger als die Probleme mit der Schweizerischen Post werden nur noch jene Probleme mit den privaten Postunternehmen sein. Aber vielleicht sehe ich ja zu schwarz, ich melde mich wieder, sollte die Batterie eintreffen.