Ein guter Tag für den öV

Also doch: Keine Vorschrift, dass Busse generell in Busbuchten halten müssen, dafür ein klares Bekenntnisdas Kantonsrats zur Priorisierung des öV in der Agglomeration Luzern und für gute Verbindungen zwischen Bus und Bahn. Der Ausbau des öV findet breite Zustimmung und bei der Behandlung des öV Berichts hat der Kantonsrats heute differenziert, engagiert (gut, das ist jetzt Eigenlob) Wcichen für den öV gestellt. Mitgeholfen hat da eine öV-Allianz zwischen uns Grünen, SP, oft aber nicht immer der GLP, weiten Teilen der CVP und einigen FDP-, aber auch SVP-Personen wie Paul Winiker, der als Krienser Gemeindepräsident den Ernst der Verkehrslage erkannt hat und bei der Suche nach pragmatischen Lösungen mithalf.

Im Herbst wird die nächste Klippe kommen: Wir haben noch keine Ahnung, welche Auswirkungen das nächste Sparpaket auf den öV haben wird. Die Vorgaben sind heute schon sehr ehrgeizig, vielleicht müssen wir uns dann wieder warm anziehen und darauf hoffen, dass die öV-Allianz im Kantonsrat spielen wird. Dann allerdings werden ganz verschiedene Interessen aufeinandertreffen.

Aber vorerst darf man sich am Entscheiden des Kantonsrats freuen.  – Und auch daran, dass der Kanton erstmals auf einer Kantonsstrasse einen Versuch mit Tempo 30 macht. Bravo – wir hoffen auf gute Resultate und nachher einige bis viele Nachahmer-Projekte.

Zweimal tadeln, einmal loben

Eigentlich sollte man immer zwei Mal loben und einmal tadeln, habe ich mal als pädagogischen Ansatz gelesen. Liegt mir aber nicht so, weshalb ich auch hier wieder mit der Kritik anfange: Die CVP wirft Marcel Schwerzmann heute „Blauäugigkeit“ bei den Finanzen vor. Es ist noch nicht so lange her, da ist auch die CVP zuvorderst hingestanden, um die Vaterschaft der Steuerstrategie für sich zu reklamieren. Wie schnell sich das ändern kann…nun den Schwarzen Peter Marcel Schwerzmann zuzuschieben, ist etwas einfach. Und wenn ich grad dabei bin: Jetzt bezeichnet die CVP die Schuldenbremse auch noch als „unerklärbar“. Immerhin wurde die bestehende Schuldenbremse mit den Stimmen der CVP beschlossen, nun selber zuzugeben, ihren Mechanismus nicht verstanden zu haben, ist von einer entwaffnenden Ehrlichkeit. Nur hat die CVP bisher noch keinen Vorstoss unterstützt, um die Schuldenbremse zu ändern.
Das wäre dann doch der Moment fürs Lob: In den CVP-Reihen scheint Bewegung aufzukommen. Grummeln aus der Reihen der CVP gabs zwar auch schon, aber es ist zu hoffen, dass die Mittepartei auch zur Tat schreitet und mithilft, das rigide Luzerner Modell aufzusprengen. Vielleicht denkt sie dann auch noch einen Schritt weiter und hilft mit, die eine oder andere Änderung der Steuergesetzrevision rückgängig zu machen.

Busbuchtenunruhen

Nach der SVP willl nun auch die FDP weitere Bushaltestellen auf der Strasse bekämpfen und die Busse auf der Linie 1 stets in Busbuchten halten lassen. Die CVP hat sich noch nicht positioniert und die Grünliberalen stehen auch nicht wirklich hinter dem vorgeschlagenen Konzept des öffentlichen Verkehrs („Bei jeder möglichen Aufhebung müssen die Vor- und Nachteile abgewogen werden.“).

Es ist ein bisschen so, wie vermutet: Während möglichst utopische Vorschläge wie Hochbahnen, Tiefbahnen, Gondeln, Metros und völlig neue Bahnhofskonzepte die Fantasien gerade auch von rechtsbürgerlicher Politiker anregt, schmilzt die Unterstützung für alltägliche konkrete Massnahmen dahin. Hier ein Bus, der neu auf der Strasse statt in der Busbucht hält, dort eine Ampel im Quartier, die im Stossverkehr den Autoverkehr dosiert, und dann noch drei Parkplätze, die aufgehoben werden – das ist dann schon zuviel.

Soeben hat der Kanton vom Bund bei der Prüfung der Agglomerationsprogramme schlechte Noten erhalten. Weil er einerseits die FussgängerInnen vernachlässigt und andererseits nur auf Grossprojekte setzt. Werden jetzt auch noch diese „kleinen“ aber wichtigen Fördermassnahmen abgeschossen, bestätigt der Kanton selber diese Aussensicht.

Ursache für Rechenschwäche entdeckt!

Heute in der Luzerner Zeitung gelesen: Wenn auf der Strecke Luzern – Kriens Busbuchten eingerichtet werden, erhöht sich die Fahrzeit auf dieser Strecke für Automobilisten um 30 Minuten. Diese Rechnung stellt die SVP auf. Gemäss Fahrplan braucht aber auch die Busfahrerin vom Luzerner Bahnhof bis ins Krienser Zentrum 11 Minuten, bis ins Obernau 17 Minuten. Wenn sich bei diesen Zahlen die Fahrzeit für ein Auto um 30 Minuten erhöhen kann, weil es ein paar Mal hinter einem Bus anhalten muss, scheint mir etwas unlogisch zu sein. Entweder kann die SVP nicht rechnen und sollte sich bei der nächsten Bildungsdebatte im Kantonsrat selber an der Nase nehmen (mehr Drill! mehr Leistung! Weniger Softfaktoren!) oder aber sie will mit unrealistischen Zahlen etwas Verschreckerlis spielen.

Beides finde ich bedenklich. Die Buslinie 1 transportiert täglich Tausende von Passagieren. Auf dieser Strecke wird seit Jahren der Mehrverkehr vom öV aufgefangen, wir sind also auf dem richtigen Weg, aber die Kapazitäten müssen grösser werden. Dazu braucht es weiterhin geeignete Massnahmen und keine Polemiken.