Homophobie im Alltag

„Das gseht so schwul us.“ „Nei, das es jo no schwuler.“ Vier Jugendliche schauen sich im Zug Handybilder an. Jedes dritte Wort ist schwul und ich höre heraus, dass das weder ironisch noch belustigend sein soll, sondern eine in irgendeiner Art nicht gute Foto bezeichnen soll. Nach ein paar Minuten habe ich die Jugendlichen – wahrscheinlich nicht in einem netten, sondern schlicht genervten Ton – gebeten, sie sollten damit aufhören, es störe mich. Einer gab noch ein „Verpiss dich“ von sich, aber nachher kam schwul bei der Beurteilung weiterer Fotos nicht mehr vor.

Heute stört sowas, in der Pubertät hätte es verwirrt und verunsichert. Es war diese Bewertung von Homosexualität, die so oft mitschwang und einem das sonst schon nicht einfache pubertäre Leben erschwerte. Vieles hat sich in den vergangenen dreissig Jahren zu Gunsten einer liberalen Gesellschaft  verändert. Viele Kämpfe sind heute nicht mehr nötig. Vielleicht sind diese Sprüche alte Restanzen und am Verschwinden. Vielleicht sind sie aber auch ein Weckruf, dass es mit der Normalität doch noch nicht so weit her ist.

Eine andere Restanz ist das Verhalten des Bistums Chur – um diesen Bogen noch zu schlagen. Die katholische Kirche muss nicht alles mitmachen, nur weil es modern sein soll. Das befreit sie aber nicht davor, sich mit den Lebensrealitäten und den Bedürfnissen der Menschen auseinanderzusetzen.

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