Wozu Abschottung führen kann: Das Beispiel Schloss Waldegg

Eine Allee, ein wunderbarer Garten und ein Schloss mit fünf Türmen: Auf dem Fraktionsausflug der Grünen besuchten wir am Mittwoch das Schloss Waldegg vor den Toren Solothurns. Eine prächtige Anlage mit imposanten Gemälden und einem Ausblick bis in die Alpen, die allerdings auch etwas Fake ist, denn hinter der grossartigen Fassade verstecken sich erstaunlich wenig Zimmer. Das Anwesen diente der Familie Besenval als Sommerresidenz. Martin Besenval war aus dem Aostatal zugewandert und erhielt 1629 das Solothurner Bürgerrecht. Sein Sohn Viktor wurde bereits Schultheiss von Solothurn, so schnell konnte damals ein Auswärtiger aufsteigen.

Geld machten die Besenvals mit dem Verkauf von Salz und im Solddienst. Sie unterhielten eine Kompanie der Schweizer Garde im französischen Dienst. Dienen durften oder mussten Bauernsöhne, die keine andere Verdienstmöglichkeit fanden. Einige reiche Patrizierfamilien in der Eidgenossenschaft profitierten von diesem Geschäft und in den ländlichen Regionen wurde so der Geburtenüberschuss quasi exportiert. Heute würde man von Wirtschaftsmigranten sprechen.

Für das Schloss – und die Privatkapelle – wurden aufwändig Bilder aus Frankreich angeschleppt. Was in Versailles modisch galt, wurde in Solothurn als chic übernommen. In der Stadt sass auch der französische Botschafter, der die engen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den eidgenössischen Orten und dem französischen König koordinierte. Mit der grossartigen Unabhängigkeit der alten Eidgenossenschaft war es schon damals nicht weit her.

Die Herrlichkeit der Familie Besenval hielt nicht ewig an. Sie existierte noch längere Zeit, doch wirtschaftlich ging es nach einer Hochblüte bergab. Und das historische Lexikon schliesst das Kapitel zur Familie mit dem Satz: «Zu den Mitteln der Familienpolitik gehörten auch Heiraten innerhalb des eigenen Geschlechts, was zu Degenerationserscheinungen führte. 1927 starben die Besenval aus.»

So kann es gehen, wenn man sich zu stark abschottet.

 

Kolumne geschrieben für die LZ vom 13. Juni 2026

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