Und nochmals: Steuern

Aha, die Economiesuisse bringts an den Tag: 60 Prozent des Staates finanzierten Unternehmen und die 20 Prozent Besserverdienenden. Und alleine gerechnet würden diese 20 Prozent Besserverdienende 35 Prozent der Staatsausgaben finanzieren. Das nennt die Economiesuisse dann einen Beweis für unser solidarisches Steuersystem.
Aber bitte sehr: In einem Land, wo Bestverdienende schnell einmal das vier- oder fünffache von dem verdienen, was Leute mit einem kleinen Lohnen nach Hause tragen, ist die genannte Zahl weiss Gott kein Beleg für eine grosse Solidarität.
P.S 1: Und dann gibt es noch jene fantastischen Lohnzahlungen über der Millionengrenze..

Velowege

Zurück von einer Velotour entlang der Ostseesküste fällt mir der Hindernislauf für Velofahrende hierzulande noch mehr auf. Gut, an der Ostsee sind die Platzverhältnisse nicht so beengt und man heisst velofahrende TouristInnen ausdrücklich willkommen. Trotzdem: In der Kuonimatt ist schon wieder auf einem offiziellen Veloweg eine Schranke eingebaut worden. Beim Gewerbegebäude der Ercolani-Firmen – ich nehme an, damit die Velofahrende auf die parkierenden Autos aufpassen müssen und nicht umgekehrt. Man muss herumzirkeln und bedarf nicht einmal eines leichten Rausches, und schon muss man auch absteigen, zum Beispiel wenn man einen Anhänger mit dabei hat.
Wenn es um tolle Brücken (Überquerung des Nordzubringers zwischen Kuonimatt und Roggern) geht, wenn neue Velowege gepflastert werden, dann ists recht. Wenn es schlicht darum geht, Velofahrenden den Vortritt zu lassen, ist man hierzulande knausrig.

Wichtiger Einsatz des VCS

Einmal mehr kritisiert die Neue LZ den Verkehrsclub der Schweiz für eine Einsprache und wirft ihm vor, mit dem Einsatz des Verbandsbeschwerderechts gegen die Baubewilligung der IKEA einen wichtigen Bau zu verzögern. Das ist unverständlich – denn der VCS macht gemäss dem Zeitungsartikel eigentlich nur eine Aufgabe, die von der Baubehörde hätte erledigt werden müssen. Wenn abgemacht wird, dass ein Verkaufsgeschäft nicht mehr als eine bestimmte Anzahl Autofahrten verursachen darf, dann erwarte ich, dass bei einem Überschreiten dieser Grenze Massnahmen ergriffen werden. „Wichtiger Einsatz des VCS“ weiterlesen

Rütli ahoi. Juni 2007

Steuerfrau Oberst Christina Kolumba Egerszegi wurde etwas nervös. Seit vier Stunden hockten sie in diesem schummrigen und engen Raum und wussten immer noch nicht, ob ihre Mission klappen würde. All das hatte ihr La Capitana Michelina Calamares Reyos eingebrockt mit ihrer Sturheit. Diese schaute durch das Rohr nach oben und rief schon wieder, „Isch sähe Land. Wir werden ünser Siel erreischen.“ Dabei hatten sie sich in einem dieser Seearme total verfahren, alles sah so verdammt gleich aus, nur Fische, Seegras und Wasser. Vor allem Wasser. „Rütli ahoi. Juni 2007“ weiterlesen

Krienser Hochwald

An schönen Sonntagen geniessen Tausende von Leuten im Krienser Hochwald oben die schöne Natur. Seltene Pflanzen wachsen rund um die Krienseregg, es gibt Moore mit faszinierenden Farben und Natur pur. Das lässt sich die Gemeinde Kriens einiges kosten. Unter der Leitung des verstorbenen FDP-Gemeinderates Josef Mattmann wurden Anfang der 90er Jahre mit den Bauern Pflegevereinbarungen abgeschlossen, die zum Ziel hatten, die noch vorhandenen Moor- und Sumpfgebiete zu schützen – viele sind nämlich bereits trockengelegt worden oder von Wald überwuchert, weil sie nicht mehr gepflegt wurden. „Krienser Hochwald“ weiterlesen

SVP und Gemeindautonomie

SVP-Grossrätin Yvette Estermann wirbt in Inseraten gegen den Fixerraum in der Stadt Luzern. Nichts neues, könnte man denken, denn dass die SVP gegen den Fixerraum ist, ist bekannt. Merkwürdig ist aber, dass Yvette Estermann als Krienserin aktiv an einem städtischen Abstimmungskampf teilnimmt. Überall betont die SVP, wie wichtig die Gemeindeautonomie ist und dass Gemeindefusionen in der Agglomeration Luzern nie und nimmer in Frage kommen. Da mutet es komisch an, wenn sich SVP-Leute aus der Agglomeration zu rein städtischen Abstimmungen äussern. Man stelle sich das Umgekehrte vor: Ein Grüner aus der Stadt würde für die Tagesschule in Emmen mit Inseraten werben oder eine städtische Sozialdemokratin hätte sich in einem Inserat bei der Abstimmung zum Ebikoner Ebisquare geäussert. Der Aufschrei wäre vorprogrammiert gewesen.

Berufswechsel. Februar 2007

Kalt war ihm und die Finger klomm. Ein eisiger Wind blies die Reuss hinab und der Harmonika waren fast keine Töne mehr zu entlocken. Von unten kroch dem Sitzenden die Kälte durch die Wolldecke und er schaute traurig in seine Mütze vor ihm – nur wenige Münzen lagen darin. Die Passanten zogen an ihm vorbei ohne Notiz von ihm zu nehmen. Auch gestern, als er es als Blinder versucht hatte, waren seine Einkünfte sehr gering, es reichte kaum für ein Tell-Bier und Servelat, doch zu Hause wartete doch Frau und etwas weiter weg die Ex-Frau. Wie nur alle diese hungrigen Münder stopfen? Der Versuch, am Samstag den Einkaufenden gegen ein kleines Entgelt vor der Migros auf dem Emmer Sonnenplatz ihre Taschen nach Hause zu tragen, hatte auch nicht viel eingebracht und das mit dem Schuhputzen klappte ebenfalls nicht, er hatte nicht so viel Übung darin. Er dachte nach, überlegte, ob er es wohl doch wieder als Anwalt versuchen sollte oder nochmals seinen Bruder Thomas etwas Steuererleichterung verschaffen sollte, doch er verwarf die Ideen, weil sie ihm letztlich nicht aus seinem finanziellen Loch geholfen hatten. Er kehrte zurück, schlurfte durch die Bahnhofsstrasse und als er sich im Regierungsgebäude aufwärmte und sich umzog, um seinen angestammten Beruf auszuüben, dachte er, wie ungerecht doch das Leben mit ihm war, dass er mit so knappen Mitteln durchs Leben musste. Immerhin ein Lichtschimmer fand er: Er hatte gehört, dass die Bar jeder Vernunft am nächsten Freitag des letzte Mal stattfinde und hoffte, dass ihm dort vielleicht jemand einen Drink spendiere.

Da das reale Leben die Satire zur Zeit überholt, ist es an der Zeit, mit der Bar aufzuhören. Wer das letzte Mal mit dabei sein will, soll am nächsten Freitag ins Ambrosia kommen. Ab 20.30

Klimapolitik FDP

In einem Leserbrief beschwert sich der FDP-Geschäftsführer Othmar Wüest über zuviel Ideologie, Verbote und Besteuerung in der Energiepolitik. Er spricht von Aufklärungsarbeit und Selbstverantwortung – und lobt den mageren Energiebericht von FDP-Regierungsrat Max Pfister.
Nun hofft man bereits seit Jahrzehnten in der Energiepolitik auf die Selbstverantwortung und auf freiwilliges Handeln. Politisch ist in all den Jahren viel zu wenig gelaufen: Die FDP hat sich nur als Bremserin betätigt. Im Jahr 2000 hat sie mitgeholfen, eine nationale Förderabgabe zu verhindern und seither verzögert sie mit ständig neuen Argumenten die längst fällige CO2-Abgabe. Im Kanton Luzern hat sie mitgeholfen, die kantonale Energiepolitik mit dem Streichen der Geldmittel praktisch zum Verschwinden zu bringen.
Angesichts der grossen Herausforderung, denen wir wegen der Klimaerwärmung gegenüberstehen, wäre es an der FDP, ihre Ideologie der Verhinderung zu überdenken und ganz praktisch mitzuhelfen, dass der CO2-Ausstoss schnell gesenkt werden kann – und zwar mit konkreten Massnahmen, nicht mit leeren Worten.