Halbstundentakt Luzern – Bern kommt in…12 Jahren.

Man greift sich an den Kopf: Auch der kleinste Bahnausbau steht für die Luzernerinnen und Luzerner in ferner Zukunft. Neben einem besseren Takt Richtung Ob- und Nidwalden ist der Halbstundentakt zwischen Luzern und Bern die einzige Massnahme im Ausbauschritt 2025 für unsere Region. Doch auch dieser soll erst 2030 kommen. Grund sind für einmal nicht die knappen Kapazitäten im Bahnhof Luzern, sondern Engpässe in der Region Bern. Erst nach einem Ausbau in Wankdorf können auch zur halben Stunde auf dieser Strecke fahren. Das hat der Bundesrat heute auf eine Frage von mir geantwortet. Die einzige Hoffnung ist der Satz: „Im Rahmen der detaillierten Bauplanung wird geprüft, ob zusätzliche Angebote wie der Halbstundentakt zwischen Bern und Luzern allenfalls auch früher eingeführt werden können.“ Man fürchtet wohl zu Recht, dass das nur noch ein Verwedeln ist.

Die Situation ist umso fataler, als Luzernerinnen und Berner heute auch keine sinnvolle Alternative mit Umsteigen in Olten haben. Entweder warten sie sehr lange auf einen Anschluss oder sie verbringen die Strecke Luzern – Olten in einem Regioexpress mit vielen Zwischenhalten.

 

So bleiben denn einige Fragen offen:

Gibt es sonst noch eine Fernverkehrslinie mit einem so hohen Passagieraufkommen und einem Stundentakt?

Der Halbstundentakt ist im Ausbauschritt 2025 enthalten, weshalb wird er nun nicht in dieser Etappe realisiert?

Gibt es keine Möglichkeit für einen Halbstundenakt mit Umsteigen in Olten ohne die heutige massive Verlängerung der Reisezeit?

Weshalb muss der Halbstundentakt Bern – Luzern gegenüber anderen Halbstundentakte hinten anstehen?

 

Ja aber rettet unser Klima nicht

Für einmal habe ich sie auf die Seite gelegt: All die Briefe aus Wirtschaft und von Verbänden zum CO2-Gesetz und die uns Parlamentarierinnen Empfehlungen abgaben. Immerhin: Niemand getraute sich gerade heraus eine Revision des CO2-Gesetzes in Frage zu stellen oder die Klimafrage zu negieren. Das klingt dann etwa so: „Der TCS ist sich der Herausforderung, welche die Klimaerwärmung für die ganze Welt und für die Schweiz mit sich bringt, bewusst und begrüsst die Bestrebungen des Bundesrates, die negativen Konsequenzen auf unsere Gesellschaft zu minimieren.“

Es folgt dann das Aber. Beim TCS ist es etwa eine Begrenzung des Aufschlags auf dem Benzin auf höchstens 5 Rappen. Oder die Forderung, mehr CO2 im Ausland zu kompensieren statt im Inland. Swissmen wehrt sich gegen höhere CO2-Abgaben, desgleichen Immobilienverbände wie die welschen FRI und USPI, welche es zusätzlich gemein finden, dass die Verbraucher nicht stärker in die Verantwortung genommen werden. Komischerweise haben ihre Vertreter jeweils Anträge für eine flächendeckende verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung abgelehnt. Auch Gastrosuisse wendet sich gegen mehr Klimaschutz im Inland und möchte diesen im Ausland betreiben.

Der letzte Sommer, der Herbst und der nicht anfangende Winter zeigen uns klar, dass wir mit dem Klimaschutz ernst machen müssen. Meine Geranien und die Fuchsien sind auch Anfangs Dezember noch draussen. Vor dreissig Jahren holte man sie allerspätestens Ende Oktober rein.

Es braucht jetzt griffige Massnahmen für den Klimaschutz. Dazu gehören strengere Normen für Autos, klare Vorgaben für den Ersatz von Heizungen, die mit fossilen Energien gefüttert werden und mehr Anstrengungen auch im Inland: Wenn wir bis 2050 fossilfrei werden wollen, so können die CO2-Einsparungen logischerweise nicht einfach im Ausland eingekauft werden.

PS: Gerade ist mir noch der Brief des Centre patronal in die Hände gekommen: Gemäss dem welschen Gewerbeverband entspricht die CO2-Gesetzesrevision einzig der „Befriedigung ideologischer Ansprüche“. Und er bringt zur Beweisführung vor: „In den letzten Tagen war die Presse voll von alarmierenden Nachrichten über die globale Erwärmung. Welch ein Zufall! Wendet sich der Nationalrat der Revision des CO2-Gesetzes zu.“ Ja, nach diesem Rekordjahr ist es ein unglaublicher Zufall, dass die Medien und die Menschen über die Klimaerwärmung sprechen.

 

Den Städten zeigen, wer hier befiehlt

Der Nationalrat hat heute eine Parlamentarische Initiative Rutz angenommen. Sie will den Städten verbieten, auf Hauptverkehrsachsen Tempo 30 einzuführen. Dies unter dem Vorwand, der Verkehr müsse fliessen können und auch die Städte müssten den Verkehr vom übergeordneten Strassennetz abnehmen und der müsse genügend schnell fahren können.

Rutzs Partei die SVP verlangt stets Föderalismus. Da ist diese Forderung merkwürdig, denn sie greift fundamental in die Rechte der Kantone und der Gemeinden in. Die Gemeinden kennen ihre Probleme und die Lösungsmöglichkeiten am besten.

Die Forderung ist aber auch inhaltlich völlig falsch: Tempo 30 kann auch auf Hauptverkehrsachsen sinnvoll sein. Eine Geschwindigkeitsreduktion kann den Lärm entscheidend verringern. Lärm soll an der Quelle vermieden werden, das ist besser als Lärmschutzwände oder der Einbau von Fenstern. Ob auf einem Strassenabschnitt Tempo 30 oder 50 gefahren werden kann, verlängert die Fahrzeiten kaum. Teilweise ist eine tiefere Geschwindigkeit sogar positiv, weil der Verkehr verstetigt wird und der Verkehrsfluss nicht abnimmt.

Die Initiative zielt darauf ab, die Städte zu knebeln und ihre Verkehrspolitik zu torpedieren, die Städte sollen gefälligst den Verkehr von den Autobahnen in die Städte lassen und ja keine Hindernisse aufbauen. Die städtische Verkehrspolitik stört offensichtlich eine Mehrheit des Nationalrats wie auch den Chef des ASTRA.

Es wird Zeit für andere Mehrheiten.

Einfallsachsen – wer fällt da in die Städte ein?

In einem Interview in der heutigen NZZ fordert ASTRA-Chef Jürg Röthlisberger „Einfallsachsen in die Städte hinein“. Man fragt sich: Wer soll hier überfallen werden? Oder – pardon – überfahren? Und wer wird zugelärmt? Die Städte wehren sich gegen diese Zufahrtsachsen und sie wissen sehr wohl, weshalb sie es tun. Die Verkehrsprobleme stehen zuoberst in der Sorgenliste, die EinwohnerInnen stimmen regelmässig und mit klaren Mehrheiten für eine Verkehrspolitik, die Plätze und Strassen lebensfreundlicher macht, Lärm verhindert und Velo und öV fördert. Der Vorwurf von Jürg Röthlisberger an die Städte, sie würden eine dogmatische Verkehrspolitik betreiben, geht völlig an den Wünschen der Bevölkerung vorbei. Sie wehren sich überall mit Auftrag der Bevölkerung und nah an ihren Lebenswünschen gegen weitere Hochleistungsstrassen quer durch die Städte.

Röthlisbergers Begriff der „Einfachsachse“ soll in Luzern in Form der Spange Nord seine Materialisierung finden. Wir wissen, welche massiven Folgen der Bau hätte: Ein vierspuriger Autobahnzubringer quer durch ein Quartier und letztlich Mehrverkehr in der Stadt, da die Einfallsachse nicht nur Verkehr aus der Stadt auf die Autobahn führt, sondern eben auch den umgekehrten Weg ermöglicht.

Im Weiteren strotzt das Interview von einer Technikgläubigkeit. Verkehr wird mit Wasser und Strom verglichen. Das untergeordnete Netz muss den Verkehr des übergeordneten Netzes aufnehmen und als Ausbaugrund für die Autobahnen nennt Röthlisberger, dass 2040 mehr Leute pendeln wollen oder „im Jura ihren Kaffee trinken wollen.“ Das ist ein lineares Fortführen der heutigen Politik. Doppelstöckige Autobahnen und die Umnutzung von Pannenstreifen sollen die Kapazitäten weiter erhöhen und Denkverbote wolle man nicht.

Es bräuchte wohl mehr Denkarbeit in eine ganz andere Richtung: Wir brauchen auch im Verkehrsbereich und -infrastruktur eine klare Strategie zum Schutz unseres Klimas. Wir brauchen eine Verkehrspolitik, die auf Vermeidung und Verlagerung setzt und wir brauchen Personen an der Spitze der Verwaltung, die nicht die Verkehrspolitik der Städte torpedieren.

Überwachung: Wir werden nachfragen

Das Ja war absehbar. Missbrauchsbekämpfung ist in aller Munde und schon fast ein Totschlagargument, das eine differenzierte Diskussion verunmöglicht. Wie weit Überwachung gehen soll, wo sie verhältnismässig ist und wie breit sie eingesetzt werden soll, diese Diskussion wurde nur ansatzweise geführt. Immerhin hat das Referendum die Möglichkeit gegeben, diese Themen anzusprechen und es gab auch wache und kritische Geister in den bürgerlichen Parteien, die massiven Eingriffe in die Privatsphäre bekämpfen. An der Versammlung der kantonalen FDP habe ich erlebt, wie engagierte Liberale sich über das vorbehaltlose Zustimmung ihrer Parteioberen schämten und vor allem: Wie gross der Ärger über die IV ist – ein Thema, das ich gerne andernorts aufnehme.

Leider hatten wir gegen die Versicherungslobby und den bürgerlichen Parteien keine Chance.

Die Verwirrung im Abstimmungskampf, ob nun in Privaträumen fotografiert werden darf, ob Drohnen eingesetzt werden können und die Fehler im Abstimmungsbüchlein haben aufgezeigt, dass die Gesetzesarbeit schlufig gemacht wurde und die Auswirkungen der Gesetzesrevision völlig unklar sind.

Wir werden auf alle Fälle darauf achten, dass das bundesrätliche Versprechen zur Zurückhaltung eingehalten wird und die Versicherungen klar ausweisen müssen, wie sie die neuen Möglichkeiten anwenden werden.

Ein deutliches Hornzeichen

Ja, gemäss Hochrechnung wird es nicht ganz reichen. Aber erstaunlich viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben die Hornkuh-Initiative unterstützt. Armin Capaul hat fast im Alleingang das Thema aufs Tapet gebracht, im Parlament haben nur die Grünen die Initiative klar unterstützt. Dafür ist das Resultat formidabel. Der hohe Ja-Anteil ist ein Ja zum Tierwohl und ein Ja zu einer Landwirtschaft, die naturnah produziert. Jährlich geben wir über vier Milliarden Franken für die Landwirtschaft aus. Die NZZ hat diese Woche aus ihrer wirtschaftsliberalen Optik diese Geldschüttung kritisiert – ihre Kritik teile ich nicht generell. Aber die NZZ hat aufgezeigt, dass die Landwirtschaft in der Schweiz in vielen Bereichen wie Ammoniakbelastung, Artenvielfalt, Intensivierung oder eben Tierwohl noch nicht dort ist, wo sie sein sollte. Kein Wunder, dass nach der Hornkuh-Initiative weitere Initiativen zu den Themen Trinkwasser und Massentierhaltung folgen.

 Für viele ist das Abbrennen der Hörner bei Kälbern ein Ausdruck einer Landwirtschaft, die sie nicht unterstützen wollen. Das können und müssen wir in der nächsten Agrardebatte in Erinnerung rufen. Der Tierschutz muss weiter entwickelt werden.

 

Ausserhalb der SVP-Blase ist die Welt farbig und nicht schwarz-weiss

Die Selbstbestimmungsinitiative der SVP wurde letztlich klar abgelehnt. Gut für die Menschenrechte, den Rechtsstaat und unsere Demokratie! Die SVP unterlag mit ihrem Weltbild, das da in Variationen lautet: Wir hier gegen alle anderen. Das Volk gegen oben. Die Schweiz gegen EU. Richter gegen Volk. Offensichtlich hält das Stimmvolk nichts von dieser schwarzweissen Einteilung der Welt, die SVP-Logik vermag ausserhalb der Partei kaum noch jemanden zu überzeugen. Ich habe selber an einem Podium mit Roger Köppel und Adrian Amstutz die SVP-Stimmungsmache erlebt und wusste: Man soll sich nicht von der SVP-Walze beirren zu lassen. Die Welt ist ausserhalb der SVP-Blase einiges bunter.

  • Im Gegensatz zur Masseneinwanderungsinitiative verfing die SVP-Argumentation nicht mehr, dass die Initiative doch ganz harmlos sei und die Schweiz nur etwas härter verhandeln müsse und wir dann wieder eigenständiger über unser Schicksal entscheiden könnten. Gerade die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative hat gezeigt, dass die EU auf ihre Kernforderungen pocht und weder in Verhandlungen mit der Schweiz noch mit Grossbritannien an ihnen rütteln lässt.
  • Vielleicht haben einige Stimmberechtigte auch ihre Gedanken zum schrillen Auftritt der rechtspopulistischen Politikern und irrlichtenden Sternenpolitiker in Italien und anderen Ländern gemacht. Salvini und Co. prahlen mit ihrer nationalstaatlichen Stärke und zeigen Europa den Stinkefinger. Hierzulande wird über ein solches Gebaren der Kopf geschüttelt, und es braucht nicht viel, um die Parallelen dieser Geisteshaltung und der Selbstbestimmungsinitiative zu sehen. Die Schweiz als Kleinstaat fährt besser mit Verlässlichkeit und der Stärkung des Völkerrechts als mit Isolationismus. Italien wahrscheinlich auch.
  • Das klare Nein wurde nur möglich, weil sich so viele dafür eingesetzt hatten. Parteien, Organisationen wie Amnesty oder Operation Libero aber auch engagierte Einzelpersonen haben mitgemacht und eines klar gemacht: Wir überlassen das Feld nicht der SVP und lassen ihre Vereinfachungen und Verdrehungen nicht unwidersprochen.
  • Und selbstverständlich: Die Stimmberechtigten haben die Wichtigkeit der Menschenrechte und des Völkerrechts ein weiteres Mal bestätigt. Damit haben sie ein Fundament gestärkt, auf dem die Schweiz steht und gleichzeitig Solidarität mit all jenen Menschen gezeigt, die in Ländern mit unsicheren demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen leben.

Der Bund versucht sein Versagen in der Wohnpolitik zu kaschieren

Im August verlangte die Mehrheit der zuständigen nationalrätliche Kommission einen Zusatzbericht zur Wohninitiative. Ziel: Eine Auflistung aller wohnpolitischen Massnahmen in der Schweiz. Nun liegt der Bericht vor. Und er zeigt schonungslos auf, wie der Bund die Wohnpolitik rechts liegengelassen hat. Der Bericht ist eine einzige Auflistung von Nichtmassnahmen und eingestellten Hilfen. Als einzige Hilfe ist der Fonds de roulement übrig geblieben, mit dem Wohnbaugenossenschaften jährlich mit einigen Millionen Franken unterstützt werden. Dazu kommt nochmals ganz wenig Geld für Wohnverbilligungen, die noch in den 90er Jahren gesprochen wurden und bald auslaufen.

Alle anderen Massnahmen, die das redividierte Wohnraumförderungsgesetz von 2003 vorsieht, wurden nie umgesetzt. So gibt es insbesondere keine direkten Darlehen für preisgünstige Wohnungen. Der Bund hat auch im raumplanerischen Bereich keine Vorschriften erlassen und überlässt das Thema Wohnen den Kantonen und Gemeinden.

Um nicht ganz nackt dazustehen, weist der Bericht die Wohnkosten innerhalb der Ergänzungsleistungen als Wohnbauförderung aus. 200 Millionen Franken zahle so der Bund als Subjekthilfen aus. Ein schiefer Versuch, doch noch Aktivitäten des Bundes nachzuweisen. Es wäre, wie wenn die Lebensmittelkosten, die in den Ergänzungsleistungen enthalten sind, als Subvention der Landwirtschaft oder des Detailhandels ausgewiesen würden oder der Anteil für Kleider als Fördermassnahmen für Modeketten verkauft würden.

Eines zeigt der Bericht deutlich: Die Subvention der Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer ist bei weitem höher als jener für Mieterinnen und Mieter. Dank den Steuerabzügen werden Eigentümerinnen bei den direkten Bundessteuern um rund eine Milliarde Franken entlastet, auf Kantons- und Gemeindeebene wird der Betrag ungefähr gleich hoch sein. Dabei sind die Steuervergünstigungen durch die Möglichkeit, Gelder aus der zweiten und dritten Säule für den Wohnerwerb zu entnehmen, noch gar nicht eingerechnet.

Der Bericht ist beste Beweisführung für ein Ja zur Wohninitiative.

Für die Mieterinnen und Mieter in diesem Land

Gestern wurde ich in den Vorstand des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands gewählt. Ich führe damit eine Arbeit fort, die ich als langjähriger Generalsekretär des Verbands geleistet habe und auch als Vorstandsmitglied der Luzerner Sektion seit einem halben Jahr mit Engagement führe.

Aus meiner Erfahrung mit den Problemen auf dem Wohnungsmarkt möchte ich als grüner Nationalrat zwei Schwerpunkte setzen: Mein Einsatz für die Wohninitiative und die Klimafrage.

Unsere Wohninitiative kommt im Dezember in den Nationalrat und voraussichtlich 2020 in die Volksabstimmung. Die Initiative stellt wichtige Fragen und schlägt Lösungen vor. Bodenpolitik, renditegetriebener Wohnungsmarkt, überrissene Mieten, Sanierungen und Kündigungen, wer wo und zu welchen Preisen wohnen kann, das interessiert die Menschen und darüber wollen wir mit ihnen reden. Von der nationalen Politik fordern wir eine Diskussion, die nun seit Jahren verweigert wurde.

Die Klimafrage lässt niemanden mehr kalt. Alle müssen ihren Beitrag leisten, damit wir den CO2 Ausstoss schnell genug begrenzen können und die Trendwende schaffen. Auch die Mieterinnen und Mieter. Gleichzeitig kann es nicht sein, dass die Energiewende zur Renditeoptimierung für Vermieterinnen und Vermieter verkommt und diese am Schluss hohe Renditen einfahren. Im Bereich des Solarstroms wurde ich mit Investoren konfrontiert, die auf sechs oder acht Prozent Rendite pochten – bezahlt von den Mietenden. Vermieter isolieren ihre Gebäude, holen dazu Fördergelder ab und schmeissen gleichzeitig ihre Mieter raus um die Wohnungen nachher auf höchstem Marktniveau neu zu vermieten. Haarsträubende Vorstellungen. Ein Ausgleich der Interessen ist aber möglich und daran will ich mitarbeiten.

Menschenrechte wahren – Demokratie schützen: Nein zur SVP-Initiative

Lassen wir uns kein Sand in die Augen streuen. So säuselnd nett wie die Selbstbestimmungsinitiative im Abstimmungskampf daherkommt, so brandgefährlich ist ihr Inhalt. Und das aus mehreren Gründen.

Die Demokratie ist nur im Rechtsstaat garantiert

Ich stehe jeden Monat für eine Abstimmung oder zum Unterschriftensammeln auf der Strasse – die direkte Demokratie ist mir wichtig und hat unser politisches Zusammenleben stark geprägt. Aber ich habe gelernt, dass sich die Demokratie an rechtsstaatliche Regeln halten muss. So richtig bewusst wurde mir dies in der Einbürgerungsfrage, über die wir vor bald 20 Jahren im Kanton Luzern heftig diskutierten. Wir können durchaus an der Urne über die Regeln der Einbürgerung abstimmen. Wir können aber nicht über einzelne Gesuche entscheiden. Es war übel, wie in Emmen 16’000 Stimmberechtigte bei einem Urnengang über 50 Einbürgerungsgesuche zu entscheiden hatten. Die Gesuchstellerinnen mussten sich ausstellen, es gab keinen Schutz der Privatsphäre, aber auch keine angemessene Information für die Stimmberechtigten. Ein solcher Urnengang wird niemandem gerecht. So können wir auch zu Recht nicht über einzelne Baubewilligungen abstimmen oder über Bereiche, die vom übergeordneten Recht schon geregelt sind. Hält sich die direkte Demokratie nicht mehr an solche Regeln, so wird sie willkürlich und widersprüchlich.

Völkerrecht ist kein Wunschkonzert

Die SVP will unser Recht vor Völkerrecht setzen. Das mag selbstbestimmt klingen. Doch was ist die Konsequenz? Macht es jeder Staat nach diesem Rezept, gibt es kein Völkerrecht mehr. Oft wird dazu gesagt, die USA würden sich auch nicht an internationale Vereinbarungen halten. Das mag stimmen. Die Schweiz als Kleinstaat ist aber darauf angewiesen, dass international keine Willkür herrscht und wir uns auf Abmachungen verlassen können.

Die Sache mit den Menschenrechten

Ja, die SVP hat Recht: Die Menschenrechte stehen auch in unserer Verfassung. Wer aber in der Schweiz ein Menschenrecht einklagen will, muss dies je nach Fall auf Grund der Europäischen Menschenrechtskonvention tun. Denn: Niemand kann in der Schweiz etwas einklagen, was in der Verfassung steht. Sie ist zwar ein stolzes Stück Schweiz, aber sie entfaltet nur eine Wirkung, wenn ihr Inhalt auch in einem Gesetz steht. Nur die Einhaltung von Gesetzen können wir in der Schweiz einklagen. Und selbstverständlich wäre eine Kündigung der Menschenrechtskonvention durch die Schweiz ein absolut fatales Zeichen für alle autoritären Regimes die sich in Europa und in der Welt tummeln.

Es lebe der Pragmatismus

In meiner Jugend – ok, manchmal auch heute noch – verfluche ich den langweiligen Pragmatismus der Schweiz. Wir suchen Kompromisse, brauchen Ewigkeiten für eine Weiterentwicklung, machen hier einen Vertrag und schlängeln uns dort weiter. Die SVP will mit dem Holzhammer diese Beweglichkeit zerstören und überall Swiss first drauf schreiben. Diese Kraftmeierei gefällt mir nicht. Wie sagte der altgediente italienische Politiker Romano Prodi zu den grossen Sprüchen der italienischen Regierung? „Per mostrare i muscoli bisogna averli.“ – Um Muskeln zu zeigen, muss man sie auch haben.

Altes Spiel, neue Runde

Die SVP erzählt uns im Abstimmungskampf, man müsse keine oder fast keine Verträge kündigen, es passiere eigentlich gar nicht viel. Aufgepasst – dieses Spiel kennen wir. Vor der Masseneinwanderungsinitiative behauptete diese Partei auch, die Personenfreizügigkeit müsse bei einer Annahme nicht gekündigt werden. Genau so hat das Parlament die Initiative dann mit einem Inländervorrang umgesetzt. Die SVP schäumte vor Wut und brandmarkt das ganze Parlament als Verräter. Das würde auch bei einer Annahme der Selbstbestimmungsinitiative passieren: Würde des Parlament die Initiative milde umsetzen, gäbe es sicherlich den Vorwurf, der Volkswillen werde missachtet. Das Gscharei ist absehbar. Ich möchte weder die Kündigung der Europäischen Menschenrechtskonvention noch eine Überprüfung von mehreren Tausend Verträgen riskieren.

Motiviert viele Leute zum Abstimmen. Eine Annahme bringt die Schweiz und uns unnötig und massiv in die Bredouille.