Welle aus dem Osten. August 2005

Man schreibt das Jahr 2030. Die Alten trafen sich zum alljährlichen Gedenken. Zuerst humpelte Ueli Maurewitsch auf die Waldlichtung weit am Pilatushang oben, gefolgt von Rita Furrowitsch, die über die Stöcke stolperte, Uelritsch Schlürnin musste getragen werden, nur Christoph Mörgelitsch kam wie immer mit einem bleckenden Lachen, Piotr Mattmannowitsch dagegen verlor sich gleich wieder im wüstem Fluchen über das grosse Luzern, das sie in weiter Ferne sahen.

Maurewitsch erinnerte an die Annahme des Freizügigkeitsabkommen vor 25 Jahren und den Anfang alles Elendes. Wie am nächsten Tag lange Kolonnen von polnischen Ladas vor der Grenze standen, wie durch ein böses Urteil aus Strasburgograd die Polen, Slowaken und Esten das Stimmrecht erhielten und dank ihrer Gebärfreudigkeit bald schon die Schweizer Mehrheit bedrohten. Dann ging es Schlag auf Schlag: Einführung eines slawischen Esperantos als einzige Amtssprache, Zwang zur Namensanpassung, Sprachentest zum Beweis der Assimilisierung und Ausweisung der Renitenten. Die Migros-Klubschulen überquollen, jene, die den Spracherwerb nicht schafften, wurden ins Reservat Entlebuch, ins Maderanertal oder nach Bosco Gurin verfrachtet. Nur die Versammelten hatten sich nicht ergeben und streiften wildernd durch die Wälder, ernährten sich von Graswurzeln und wildem Honig – den sie mittlerweilen mit slowenischen Bären teilen mussten. Dank einem Gärsaft aus Beeren und den Wurzeln der Bergveilchen wurde die Runde immer lustiger. Mörgelitsch machte sich über Samuel-Vladimir Schmiditsch lustig, der jetzt in der Leibgarde des neuen Bellorussischen Königs als erster Hofwächter diente, Schlürnin kicherte nur noch leise – er hatte wieder einmal an Fliegenpilzen genascht und Furrowitsch rief in ihrem Rausch vergebens nach ihrer Zürcher Polizei – auch sie war längst in die polsky-slowaki Policjia Zurikjia umgewandelt worden. Mattmannowitsch brachte die Idee, aus den Bergen den Widerstand neu zu organisieren und zuerst via Meijersmattma-Wiese einen Ausfall Richtung Krjienska zu machen, dort gebe es jeweils am ersten Freitag im Monat eine Bar, ein Anknüpfungspunkt vielleicht?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.