Wüstenlandschaften. Juli 2006

Gleissend brannte die Sonne über die kahlen Alpen, wo früher Kuhweiden, tiefe Wälder und sprudelnde Bäche waren, war längst nur noch öde Steinwelt. Er legte die Schaufel weg, seine Lippen waren aufgesprungen und er dürstete nach Wasser, über ihm zog ein Geier seine Kreise. Das Skelett weiter vorne musste einmal ein stattliches Braunvieh gewesen sein. Der Blick irrte durch die sirrende Luft, vom Obernau kam eine Karawane näher und Richtung Stadt waren nur noch die Spitzen der Türme der Hofkirche in der Haldendüne zu sehen – alles andere war längst vom Sand zugedeckt worden, den der Südwind unablässig aus der Magadino-Wüste hinüberwehte. Unter dem Geschrei des Aufsehers setzte er die Schaufel wieder an. Zur Sisyphos-Arbeit, das Velociped aus dem Sand zu befreien. Die neue Allparteien-Regierung aus den Grünen, Grünliberalen, Grünkonservativen und Grünsozialen, der grünen Chance 22 und der grünen Phase 111 (die SVP war in den Untergrund gegangen und prompt im Sand versunken) hatte sich zum Ziel gesetzt, die Monumente grüner Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unnütz dachte er, und bitter erinnerte er sich, wie er vor einem Monat vom grünen Tribunal wegen Blasphemie zur Zwangsarbeit verurteilt worden war – nur wegen so einer blöden Bareinladung, die von Kälte und Gletscher gehandelt hatte. Neben ihm litt der letzte Hummer-Automobilist, der von der Guardia verde aufgegriffen worden war und vor ihm schuftete ein Erdölschmuggler, der auf dem Schwarzmarkt erwischt worden war. Das wiederum machte Ruth und Michael nervös, die nun nicht mehr garantieren konnten, rechtzeitig auf die Bar zu Eiswürfeln zu kommen. Wie nun den Generator anwerfen, der in einem Geheimgang zu einer alten Zivilschutzanlage führte, versteckt war. Nach der schrittweisen Reduktion von der 2000 Watt- Gesellschaft zur 20-Watt-Gesellschaft war das mit den Eiswürfeln so ein Ding. Ein Wettlauf mit der Zeit begann…man würde sehen. Am nächsten Freitag, ab 20.30 im Ambrosia

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