Kantonale Chirurgie März 2006

Chefchirurg Max Pflaster setzte den Mundschutz um. Auf einen kurzen Wink warf Schorschi Theiler mit glänzenden Augen den Betonmischer an. Auf dem Schragen lag röchelnd der Luzerner Patient, Autos quollen ihm aus der Nase, Mund und After. Es drohte ein akuter Verkehrsinfarkt. Max Pflaster hatte seit langem auf diese Operation gewartet. Das Einsetzen eines Bypasses am lebenden Verkehrsobjekt galt als hochriskantes Unternehmen. Schorschi stellte die Frequenz höher und das Autobahnherz in Härkingen fing stärker zu pumpen an. Alle Ampeln im Raum leuchteten auf. Langsam schnitt Pflaster den Körper auf und wollte den kurzen Bypass einsetzen, da kam Assistenzarzt Bruno Peter mit einem viel längeren Ding angerannt, der dem Patienten bis zum Schlund hoch gereicht hätte. Pflaster schubste ihn verärgert weg.

Die Operation gelang prächtig, doch irgendetwas war schiefgelaufen, die Autos schossen immer noch durch alle Poren aus dem Körper und stauten sich gefährlich. Pflaster riss sich den Mundschutz ab und rief nach Peter, stolz kehrte dieser in den Saal zurück und der lange Bypass wurde eingesetzt. Doch statt dem erhofften Effekt wurde der Patient von einer autophoben Sepsis geschüttelt. Schorschi stellt die Frequenz noch höher, bis der Betonmischer aus Eigenschwingungen zu hüpfen begann. Ein strafender Blick traf ihn. Pflaster fand einen noch längeren Bypass und setzte ihn direkt an das nächste Verkehrsorgan, das er fand. Erschöpft schaute er auf sein Werk. Der Patient wurde ruhiger, doch langsam schwellte sein Bauch an – kein Wunder, war der neue Bypass doch an den Magen angeschlossen. So löste sich Auto für Auto in den Magensäften auf.

Davon übrigens hatten die Gäste der Bar jeder Vernunft schon längst nichts mehr mitbekommen. All die neuen Verkehrsstränge hatten sie in Kriens eingesperrt, was ihnen aber durchaus bekam. Nur ab und zu hörten sie von ferne einen Rülpser, wenn der Patient wieder einige unverdaubare Autos ausspie.
Michael und Ruth

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