Abendländische Kultur und Zwangsheiraten

CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger wird heute in Zeitungen zitiert: „Zwangsheiraten sind mit unserer abendländischen Kultur absolut unvereinbar.“ Deshalb fordert er härtere Strafen,

Aber bitte sehr: Wer hat denn während Jahrhunderten hier Menschen zu Ehen verpflichtet, wenn nicht gerade diese abendländische Kultur? Unehelich Schwangere mussten heiraten, um nicht verstossen zu werden, anderen Heiratsunwilligen wurde mit der Enterbung gedroht, egal ob adelig oder in Bauernschichten. Und wehe, man hat den oder die Falsche mit nach Hause gebracht – viele ältere Menschen können heute noch davon erzählen. Ehen waren nicht möglich aus ökonomischen und politischen und natürlich auch religiösen Gründen. Und vielen war die Ehe schlicht verboten, da sie zu wenig verdienten. Solche Eheverbote fanden teilweise sogar Niederschlag in der Gesetzgebung. Erste Aufpasserin und Einmischerin war dabei stets die katholische Kirche. Von wegen abendländische Kultur der freien Partnerwahl.

Die freie Wahl des Lebenspartners, der Lebenspartnerin ist eine Errungenschaft der modernen Zeit, der Zivilgesellschaft. Dagegen haben sich ausgerechnet die Vorgängerformationen der CVP gewehrt. Schön, dass sie dies überwunden hat, aber vielleicht würde es ihr gut anstehen, jetzt nicht zu laut zu heulen.

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