Imam Pierre Vogel: Und was folgt der Empörung?

Imam Pierre Vogel hatte einen Auftritt in Kriens. Ob der Mann gefährlich ist, kann ich nicht beurteilen, die Hinweise im Internet sind spärlich. Sein theologisches und gesellschaftliche Gedankengut ist mir fern, einiges, das stört, kenne ich auch von der vatikanischen Kirche.
Man hat jetzt in den Zeitungen wieder ein Thema gefunden, das titelseitenwürdig sein soll. Neben dem Schrecken oder der Empörung bleibt dann nicht viel übrig und die Themen, die durchaus diskutabel wären, verpuffen irgendwo zwischen Terrorangst und exotischer Anziehungskraft.
Ich meine, wir müssten endlich ernsthafter diskutieren: Wie können Muslime in der Schweiz ihren Glauben leben und wo ist dieser mit Wertvorstellungen, die die Gesellschaft aushandelt, nicht vereinbar. Um diese Themen aber diskutieren zu können, müsste eine gewisse Institutionalisierung her. Also zum Beispiel die Anerkennung der Muslime als Landeskirche oder das Angebot, dass Imame von staatlicher Stelle aus ausgebildet werden. Überlässt man diese Ausbildung arabischen Staaten, werden die Vertreter einer Religion, die hunderttausende Gläubige in der Schweiz zählt, quasi importiert, so muss man sich nicht verwundern, wenn auch andere Wertvorstellungen hier vertreten werden.
Aber zu diesem Schritt sind viele nicht bereit. Schade, es ist diese typische Haltung in der Integrationspolitik, dass die MigrantInnen liefern sollen, sich anpassen sollen, die Hiesigen ihrerseits schampar wenig anbieten.
Typisch dafür ist zum Beispiel die Haltung von evangelikalen Kreisen: Da wird von einer öffentlich-rechtlichen Anerkennung abgeraten, auch die Ausbildung von Imame wird abgelehnt für eine Religionsgemeinschaft, „welche zu 90% aus Mitgliedern besteht, die in der Schweiz Gaststatus haben.“ Diese realitätsfremde Formulierung zeugt vom Wunsch, dass sie also auch wieder gehen werden. Mit dieser Haltung ist natürlich das Thema Integration schwer anzugehen.

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